Montag, 21 August 2017

Gefahrengutkennzeichnung

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Als Gefahrgut (engl. Dangerous goods, amerik. engl. Hazardous material, kurz hazmat) bezeichnet man Stoffe, Zubereitungen (Gemische, Gemenge, Lösungen) und Gegenstände, welche Stoffe enthalten, von denen aufgrund ihrer Natur, ihrer physikalischen oder chemischen Eigenschaften oder ihres Zustandes beim Transport bestimmte Gefahren für

  • die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit,
  • wichtige Gemeingüter,
  • Leben und Gesundheit von Menschen, Tieren und anderen Sachen

ausgehen können und die aufgrund von Rechtsvorschriften als gefährliche Güter einzustufen sind.
Gekennzeichnet wird ein Gefahrguttransport mit Gefahrentafel und Gefahrzettel. Das dient dem schnellen Erkennen der nötigen Maßnahmen insbesondere im Falle eines Gefahrgutunfalls.

 

Gefahrentafel und Kennzeichnung von Gefahrgut

Die Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr (auch Gefahrnummer oder Kemler-Zahl) ist die Zahl, die in der oberen Hälfte einer Gefahrentafel an Fahrzeugen angegeben ist.
Sie gibt Aufschluss über die vom transportierten Stoff (Gefahrgut) ausgehenden Gefahren und ist im Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) beziehungsweise das Règlement concernant le transport international ferroviaire de marchandises Dangereuses (RID) definiert.
 
Image Kemmler-Zahl - Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr
UN-Nummer - Stoffnummer
 

Die Nummer besteht aus mindestens zwei bis maximal drei Ziffern, die die wichtigsten von dem Stoff ausgehenden Gefahren aufzählt, eventuell mit einem vorangestellten X für Zusatz-Gefahr in Zusammenhang mit Wasser (da es bei Löscheinsätzen wichtig ist). Kombinationen von verschiedenen Ziffern sind möglich. Die Verdopplung einer Ziffer bedeutet eine Erhöhung der Gefahr dieser Art. Wenn die Gefahr durch eine Ziffer ausreichend beschrieben wird und keine zusätzliche Gefahr besteht, so wird eine Null angehängt, um mindestens zwei Stellen zu erzeugen.
Beispiel: Dieselkraftstoff/Heizöl, Gefahrnummer "30", zwar brennbar, aber unter Normalbedingungen gefahrlos.
Die Ziffern der Kemler-Zahl entsprechen im allgemeinen der Gefahrgutklasse des Gutes, mit Ausnahme der Klasse 1 Explosivstoffe, die – wegen der Verwechslungsgefahr mit „7“ – mit Zahlen für Entzündbarkeit (3, 4) ausgezeichnet werden.

2

Entweichen von Gas durch Druck oder chemische Reaktion

3

Entzündbarkeit von flüssigen Stoffen (Dämpfen)

4

Entzündbarkeit fester Stoffe oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoffe

5

Oxidierende (brandfördernde) Wirkung

6

Giftig

7

Radioaktivität

8

Ätzwirkung

9

Gefahr einer spontanen heftigen Reaktion

X

Stoff Reagiert mit Wasser

Die Verdopplung einer Ziffer weist auf die Zunahme der entsprechenden Gefahr hin.

22

tiefgekühltes Gas

33

leicht entzündbarer, flüssiger Stoff, Flammpunkt unter 23°C

X 333

pyrophorer flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert

44

entzündbarer fester Stoff, der sich bei erhöhter Temperatur in geschmolzenem Zustand befindet

X 423

entzündbarer fester Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert, wobei sich  brenn- und entzündbare Gase bilden

55

stark oxidierender (brandfördernder) Stoff

539

entzündbares organisches Peroxid

66

sehr giftiger Stoff

88

stark ätzender Stoff

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Bei Mehrkammerfahrzeugen ist auch an der Anhängerseite eine Kennzeichnung angebracht.

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Link

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Gefahrzettel

Die Gefahrzettel sind auf der Spitze stehende Quadrate, die mittels Piktogrammen, dem Gefahrensymbol, und einem speziellen Nummerncode, den Gefahrgutklassen, über die Art der Gefahr Auskunft geben. Es gibt sie in den Größen 10 x 10 cm (Gefahrzettel, label) für Packstücke und 25 x 25 cm sowie 30 x 30 cm (Großzettel, placard) für LKW, Tank-LKW, Aufsetztanks oder Container.
 
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Klasse 1
Sprengstoffe und Gegenstände, die Sprengstoffe enthalten (mit 6 Unterklassen)
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Klasse 2.1
Gase (entzündbar)
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Klasse 2.2
Gase (nicht entzündbar)
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Klasse 2.3
Gase (giftig)
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Klasse 3
Entzündbare flüssige Stoffe
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Klasse 4.1
Entzündbare feste Stoffe
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Klasse 4.2
Selbstentzündliche Stoffe
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Klasse 4.3
Stoffe, die mit Wasser entzündliche Gase bilden
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Klasse 5.1
Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe
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Klasse 5.2
Organische Peroxide
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Klasse 6.1
Giftige Stoffe
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Klasse 6.2
Ansteckungsgefährliche Stoffe
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Klasse 7
Radioaktive Stoffe
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Klasse 8
Ätzende Stoffe
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Klasse 9
Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände

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Gefahrensymbole und Gefahreneigenschaften nach der Gefahrstoffverordnung

E - Explosionsgefährlich

Gefahrenbezeichnung Explosionsgefährlich

Wirkung der Stoffe können durch Schlag, Reibung, Erwärmung, Feuer oder andere Zündquellen auch ohne Beteiligung von Luftsauerstoff explodieren

Stoffbeispiel Ethylnitrat

F+ - Hochentzündlich

Gefahrenbezeichnung Hochentzündlich

Wirkung der Stoffe haben als Flüssigkeiten einen extrem niedrigen Flammpunkt (< 0 °C) und einen niedrigen Siedepunkt bzw. Siedebeginn (< 35 °C); als Gase können sie unter Normalbedingungen mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden

Stoffbeispiel Diethylether

F - Leichtentzündlich

Gefahrenbezeichnung Leichtentzündlich

Wirkung der Stoffe können sich bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft erhitzen und entzünden, oder haben einen niedrigen Flammpunkt (< 21 °C), oder bilden unter Feuchtigkeit eine gefährliche Menge hochentzündlicher Gase

Stoffbeispiel Ethanol

O - Brandfördernd

Gefahrenbezeichnung Brandfördernd

Wirkung der Stoffe sind in der Regel selbst nicht brennbar, können aber bei Berührung mit brennbaren Stoffen die Brandgefahr und die Heftigkeit eines Brandes beträchtlich erhöhen

Stoffbeispiel Kaliumchlorat

T+ - Sehr giftig

Gefahrenbezeichnung Sehr giftig

Wirkung der Stoffe können in sehr geringen Mengen beim Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut schwere akute oder chronische Gesundheitsschäden erzeugen oder zum Tode führen

Stoffbeispiel Kaliumcyanid

T - Giftig und/oder krebserzeugend

Gefahrenbezeichnung Giftig

Wirkung der Stoffe können in geringen Mengen beim Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen oder zum Tode führen

Stoffbeispiel Arsen

Gefahrenbezeichnung Krebserzeugend

Wirkung der Stoffe können durch Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut Krebs erregen, bzw. die Krebshäufigkeit erhöhen

Stoffbeispiel Benzo[a]pyren

Stoffe mit den Gefahrenbezeichnungen "fortpflanzungsgefährdend" und "erbgutverändernd" sind mit den gleichen Gefahrensymbolen wie krebserzeugende Stoffe zu kennzeichnen.

Xn - Gesundheitsschädlich

Gefahrenbezeichnung Gesundheitsschädlich

Wirkung der Stoffe können durch Einatmen, Verschlucken oder durch Hautaufnahme akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen oder zum Tode führen

Stoffbeispiel Glykol

Gefahrenbezeichnung Verdacht auf krebserzeugend

Wirkung der Stoffe steht im Verdacht, durch Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut Krebs zu erregen

Stoffbeispiel Dichlormethan

Xi - Reizend

Gefahrenbezeichnung Reizend

Wirkung der Stoffe können bei Kontakt mit der Haut zu Entzündungen führen

Stoffbeispiel Calciumchlorid

C - Ätzend

Gefahrenbezeichnung Ätzend

Wirkung der Stoffe zerstören lebendes Gewebe (z.B. bei Säuren mit pH < 2, oder Laugen mit pH > 11.5)

Stoffbeispiel Natronlauge (> 2 %ig)

N - Umweltgefährlich

Gefahrenbezeichnung Umweltgefährlich

Wirkung der Stoffe können Wasser, Boden, Luft, Klima, Pflanzen oder Mikroorganismen derart verändern, daß Gefahren für die Umwelt entstehen

Stoffbeispiel Lindan

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